Valsequillo
Dieser kleine Ort ist über die Straße C-814 von Telde kommend zu erreichen. Telde, die zweitgrößte Stadt der Insel liegt an der Autobahn nach Las Palmas. Sehr reizvoll ist die Lage der Ortschaft in einem weiten und fruchtbaren Tal. Besonders schöne Ausblicke kann man bereits bei der Anfahrt genießen. Valsequillo (kleines trockenes Tal) liegt 574 Meter über dem Meeresspiegel und hat rund 6.400 Einwohner. Mit einer Gesamtfläche von 32,74 Quadratkilometern grenzt es an die Ausläufer der Cuenca de Telde. Zur Zeit der Altkanarier war der Ort ein Mittelpunkt des Königreichs von Telde. Heute bietet die weit auseinander gezogene Streusiedlung baulich keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Mit Ausnahme der Kirche San Miguel mit einem grünglasierten Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert. In einer Wandnische darüber prangt eine buntbemalte flämische Skulptur aus dem 16. Jahrhundert. Sie stellt Maria mit dem Rosenkranz dar. Das historische Bauwerk ist im Ortskern zu finden.
Viele der Einwohner leben von der Landwirtschaft. Das landwirtschaftliche Zentrum von Valsequillo zieht sich weit in den Barranco de San Miguel hinein. Hier wechseln sich Obst und Mandelplantagen mit Gemüsefeldern ab. Wer kein eigenes Land besitzt verdingt sich in einer der kleinen Käsefabriken. Weitere Arbeitsplätze stellt das Unternehmen Villaflor meter weit entfernt und liegt am Fuße des Cruz de Saucillo. Sie ist eingebettet in eine wildromantische Landschaft. Ihr altkanarischer Name steht für den Wasserreichtum der Region. Noch heute ist die Landwirtschaft die wichtigste Erwerbsquelle für die Einwohner. Für Natur- und Wanderfreunde gibt es am Ortsrand Richtung San Mateo ein stilvolles Landhotel inmitten eines Kiefernhains. El Pinar ist der Name des Hotels, ein restauriertes zweistöckiges Herrenhaus, das seinen Charakter bis heute bewahrt hat. Von hier führt ein Wanderweg über den Cruz de Saucillo zur Caldera de los Marteles ins Inselinnere. Ein weiterer Wanderweg beginnt in Valsequillo und führt in rund drei Stunden zur Landstrasse der Jäger. Dieser Camino Vecinal de Cazadores kommt von Telde und verläuft weiter durch eine einsame Landschaft zum Pico de las Nieves, dem höchsten Berg von Gran Canaria. Im Barranco de los Cernicalos gedeiht eine einmalige Flora:
Weißer Ginster und wilder Ölbaum wachsen am Wegesrand, es duftet nach Weihrauch, Rosmarin, Salbei und Thymian. Blütenpracht Wie bereits erwähnt ist der Mandelbaum für die Bewohner dieser Region von großer traditioneller und wirtschaftlicher Bedeutung. Schon vor rund 400 Jahren empfahl der berühmte spanische Dichter Lope de Vega ein Rezept, wonach man vor übermäßigen Alkoholgenuss sieben bittere Mandel essen sollte. Ob dieser Vorschlag sinnvoll war? Im Volksmund heißt es doch, dass siebzig bittere Mandeln einen ALLEn Menschen ins Jenseits schicken. Das in den Mandeln enthaltene Amygdalin setzt im Magen entsprechend viel Blausäure für den Exitus frei. Weit weniger bittere Gedanken kommen auf, wenn man im Februar nach Valsequillo fährt. Dann stehen die Mandelbäume in voller Blüte – weiß bis zartrosa. Die Wirkung der Blütenpracht ist ungetrübt, denn Blätter entwickeln die Bäume erst später. Die Blüten halten sich bei gutem Wetter rund eine Woche. Die Bauern haben bis zur Ernte mit ihren Mandelbäumen wenig Arbeit. Wenn die Samenkerne, die bereit, das auf seinen Plantagen exotische Blumen anbaut.
Käsespezialität Die Käsereien in Valsequillo und Umgebung produzieren einen inselberühmten und hervorragenden Ziegenkäse: Den „Queso de Flor Valsequillo“. Er wird auf allen traditionellen Festen verkauft. In den Geschäften ist er bisher nur schwer zu finden. Sie können ihn aber direkt bei einem der Hersteller im Ort kaufen. Die Adresse: Avenida de los Almendros 27. Der Eingang befindet sich im Hinterhof. Seinen phantasievollen Namen verdankt der „Blumenkäse“ der Tatsache, dass zu seiner Herstellung Artischocken-Ferment genommen wird anstelle des sonst üblichen Kälber-Lab.
Fiestas Das Mandelblütenfest – Fiestas del Almendro en Flor – wird am ersten oder zweiten Sonntag im Februar im Wechsel mit der Ortschaft Tejeda gefeiert. Das Fest gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen auf Gran Canaria. Sie müssen allerdings damit rechnen, dass sich auf den Zufahrtsstraßen der Verkehr kilometerlang staut. Am 29. September wird mit einer Prozession das Patronatsfest zu Ehren des Heiligen Miguel (Fiestas de San Miguel Arcángel) begangen. In der folgenden Nacht feiern die Einwohner ein wildes Dorffest. Suelta del perro – die Befreiung des Hundes.
Die Umgebung Auf einer sehr schönen Fahrt von Valsequillo ins Inselzentrum lohnt sich ein Halt in Tenteniguada. Die kleine Siedlung ist nur fünf Kilo- Mandeln, reif sind, werden sie mühsam mit der Hand gepflückt und aus der steinharten Schale gebrochen. Die Herkunft des Mandelbaumes ist bis heute nicht geklärt. Vermutlich kommt er aus Vorderasien und wurde von Seefahrern in den Mittelmeerraum gebracht. Nach der Eroberung der Kanarischen Inseln brachten die Spanier die Pflanze mit auf Gran Canaria. Das Mandelblütenfest in Valsequillo ist für die geselligen Inselbewohner eine beliebte und gern besuchte Veranstaltung. In der kleinen Kirche San Miguel findet „vor vollem Haus“ ein Gottesdienst statt – den Pfarrer freut der Zulauf an diesem Tag. Folkloregruppen singen kanarische Lieder und führen landestypische Tänze vor. Kunsthandwerker demonstrieren ihr Können und an den aufgestellten Buden werden inseltypische Produkte verkauft. Neben dem berühmten Ziegenkäse natürlich Unmengen von Mandelprodukten. Die Verwendung der Mandel scheint unbegrenzt. Neben Mandelbrot und Mandelkuchen ist der Nachtisch Frangollo sehr beliebt. Eine Mischung aus Mandeln, Mais, Rosinen, Eigelb und Milch. Von zurückkehrenden Kuba-Auswanderern wurde das Rezept für eine süße Mandelsuppe mitgebracht. Eine absolute Spezialität der Insel und die Krönung ist „Bienmesabe“, was übersetzt „Mir schmeckts gut“ heißt. Diese „kanarische Erfindung“ ist eine Mischung aus fein gehackten Mandeln und Honig. Sie schmeckt köstlich über Flan und andere Süßspeisen.
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